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Schöner Neuer Himmel - Bild 1

Schöner Neuer Himmel

Rezensiert von Cornelius Pollmer, Süddeutsche Zeitung

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Details

Autor/en
Ines Geipel
Einband
gebunden mit Schutzumschlag
Erscheinungstermin
11.05.2022
ISBN
9783608984293
Seitenzahl
288
Verlag / Label
Klett-Cotta

Beschreibung

Die Idee war so ambitioniert wie anmaßend: den Kommunismus auch im All real werden zu lassen. Und die Realität? Um einen »Körper mit optimaler Normierung« zu kreieren, wurde ab den 70er Jahren im Osten in hochgeheimen Laboren geforscht. Was surreal klingt, findet sich belegt in den Akten des ostdeutschen Militärs, aber auch bei denen, deren Körper zum Material dieses Staatstraumas gemacht wurden. Eine dichte Erzählung, die ein scharfes Licht auf ein bislang ausgeblendetes Erbe der DDR wirft - und eine Zeitdiagnose über entgrenzte Körperforschung.

Der Neue Mensch im All galt im Weltraumprogramm der Sowjetunion als absoluter Leitstern und löste in der DDR zwischen 1972 und 1989 eine gründliche Forschungstätigkeit aus. Die Unterwerfung und Beherrschung des Kosmos sollte durch Hochleistungsflieger, die sich über Jahre im All aufhalten konnten, möglich werden. Wie erschafft man diesen maximal normierten und bedürfnislosen Körper? Aus den Verschlussakten der DDR-Militärforschung, heute zugänglich im Militärarchiv Freiburg, setzt Ines Geipel ein verstörendes Bild zusammen: Experimentiert wurde nicht nur an Tieren, sondern auch an Menschen, in Krankenhäusern, Gefängnissen, an Soldaten und im Hochleistungssport. Das Streben nach der Vorherrschaft im Kosmos ist nicht Vergangenheit, sondern erfährt heute eine Renaissance.

Rezensiert von Cornelius Pollmer, Süddeutsche Zeitung

Der arme, Neue Mensch im All

Die Unterwerfung des Himmels durch die Sowjets und ihr Interkosmos-Programm ist Startpunkt für den Bericht von Ines Geipel, der ausweislich seines letzten Satzes am 15. Februar 2022 fertiggestellt wurde – kurz vor Beginn des russischen Angriffskrieges, vor Beginn also auch der Diskussionen um zum Beispiel Flugverbotszonen. Es geht in diesem Bericht um Militärforschung in der DDR und um Perversionen wie die Praxis gewordene Idee, den Menschen zu normieren Richtung absoluter Bedürfnislosigkeit, um ihn nützlich zu machen für eine vermeintlich höhere Sache im Orbit. Das klingt längst vergangen. Aber manchmal braucht es Abstand, um aushalten zu können. Und der Himmel, er ist begehrt wie nie: „An ihm führt kein Weg mehr vorbei“.