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Die Künstlerromane

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Details

ISBN
978-3-86497-223-2

Beschreibung

Die Künstlerromane der Süddeutsche Zeitung eBibliothek

Fünf Schriftsteller, die es gewagt haben, sich auf das ebenso heikle wie verlockende Genre des Künstlerromans einzulassen, zeigen den Konflikt des Künstlers zwischen seiner existenziellen Abhängigkeit vom Kunstbetrieb und der ihn umgebenden Gesellschaft einerseits und der Notwendigkeit seines Rückzugs in die eigene Gedankenwelt andererseits.

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Wahre Lügen

Fünf große Künstlerromane der Weltliteratur

Einmal ist der junge Stephen Dedalus mit seinem Vater im Nachtzug unterwegs nach Cork. Aus der Ecke des Coupés sieht er alle paar Sekunden die Telegrafenmasten vorübergleiten. An einen Gott addressiert er seine Gebete nicht mehr, aber die Formeln sind in ihm noch lebendig, und als die Morgenluft ins Abteil dringt, verschmiltzt der Rhythmus der Worte mit dem Sekundentakt der Telegrafenmasten.
Stephen Dedalus, Held des Romans "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann" von James Joyce, schlägt den Priesterberuf aus und wird am Ende einen Vortrag über die Kunst und die Schönheit halten, der auch ein Loblied auf den Rhythmus enthält. Irland, die Familie, die Religion, all das wird zurückgelassen beim Aufbruch in die Welt der Kunst, der Literatur. Aber entscheidend sind die Telegrafenmasten, entscheidend ist, dass die Kunst nicht mit sich allein ist im Künstlerroman, dass er sie nicht anhimmelt, sondern erkundet, bezweifelt, sich von ihr abwendet, ihr nicht traut.
Generationen haben Hermann Hesses "Der Steppenwolf" als Verklärung des wilden, antibürgerlichen Künstlerlebens gelesen. Aber wer den Roman nun noch einmal liest, gerät in ein Spiegelkabinett von Manuskripten, Traktaten und Aufzeichnungen, in denen das Misstrauen gegen die Selbstgewissheit jede Selbsteifer der Kunst zersetzt. Acht Bücher mit grau marmorierten Einbänden, auf deren Rücken in Gold auf Blau "Hermann Hesse" steht, liest Enrico Türmer in Ingo Schulzes Roman "Neue Leben", und er schreibt an einer Novelle, die eine DDR-Coverversion zu Hesses "Unterm Rad" oder Musils "Törleß" werden soll. Aber auch hier ist die Kunst misstrauisch gegen sich selbst - und so ist auch dieser Künstlerroman ein Manuskript-Labyrinth voller Selbstdementis und zugleich voller Telegrafenmasten aus den späten Jahren der DDR und des Jahres 1990, ein großes Zeitporträt.
Ob bei Joyce, bei Hesse oder bei Schulze - es wird viel geschrieben, aber die anderen Künste sind stets gegenwärtig, für Stephen Dedalus von Beginn an die Lieder und die Musik, für den Steppenwolf Harry Haller ist der Konzertsaal so wichtig wie die Bibliothek, und das letzte Wort in seinem Roman hat Mozart, Ingo Schulzes Türmer versucht einen Choral von Heinrich Schütz in Prosa nachzubilden. Margriet de Moor stellt Rembrandt ins Zentrum ihres Romans "Der Maler und das Mädchen", aber nie fällt sein Name. Aus gutem Grund. Er verwindet in seinem Blick auf die Welt, auf den Anatompen Tulp und auf die junge Mörderin, deren Leiche er nach ihrer Hinrichtung zeichnet: "Nach dem Leben".
Oft wurde dem Künstlerroman nachgesagt, er handle vom Konflikt zwischen Leben und Kunst. Aber es gibt in ihm kein Leben, das nicht zugleich Kunst wäre. Er ist nicht zufällig mit Labyrinthen, Spiegeln und Maskenspielen im Bunde. Wer Kerstin Ekmans Roman "Schwinderlinnen" liest, wird auf eine Schriftstellerin treffen, hinter der eine andere Schriftstellerin steckt. Das Manuskript, das die Verbindung zwischen beiden herstellt, sollte man mit dem Misstrauen betrachten, das man offen herumliegenden Tatwaffen in Kriminalromanen zuwendet. Der Künstlerroman ist ein Meister im Abbau der Illusion, von Worten lasse sich umstandslos auf Taten rückschließen. 

Lothar Müller

Margriet de Moor: Der Maler und das Mädchen

Margriet de Moor: Der Maler und das Mädchen

Anfang Mai 1664 zeichnete Rembrandt auf dem Galgenfeld von Amsterdam nach der Natur den Leichnam einer frisch hingerichteten jungen Mörderin, Elsje Christiaens. Diese war, nach wochenlanger Odyssee auf der Suche nach ihrer Schwester, in die für sie völlig fremde Welt der Großstadt Amsterdam gekommen und hatte dort ihre Zimmerwirtin erschlagen. De Moor führt diesen Erzählstrang bis zum Hinrichtungstag und setzt ihn parallel zu Rembrandts Tag in Amsterdam. Wie eine Malerin wechselt sie in diesem Krimi zwischen hell und dunkel, versucht so, dem Blick des Malers auf die Welt nachzuspüren, und verschränkt die gegensätzlichen Geschichten zu einer spannenden, ergreifenden Erzählung. Ein großer Roman über die Malerei, die Liebe und den Tod im Amsterdam des 17. Jahrhunderts.

Margriet de Moor, 1941 geboren, ist eine der bedeutendsten niederländischen Autorinnen der Gegenwart, studierte Klavier und Gesang, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Bereits ihr erster Roman "Erst grau dann weiß dann blau" wurde ein sensationeller Erfolg. Heute sind ihre Romane und Erzählungen in alle Weltsprachen übersetzt. Margriet de Moor lebt in Amsterdam.

Ingo Schulze: Neue Leben

Ingo Schulze: Neue Leben

"Neue Leben" erzählt die Geschichte des ehemaligen Ost-Dramaturgen Enrico Türmer, der nach der Wende zunächst als kritischer Journalist arbeitet und schließlich zum Macher eines Anzeigenblatts mutiert. Die biografischen Parallelen zum Autor Schulze sind augenfällig, ein romantisches Spiel mit den Identitäten beginnt. Ein zweiter Erzählstrang rekapituliert die DDR-Kindheit und -Jugend Enricos. Während Türmer in seinen Briefen an die drei großen Lieben seines Lebens den Kapitalismus für sich entdeckt und von seinen Abenteuern als Geschäftsmann berichtet, trägt er auch die Schichten seines bisherigen Lebens ab. Dabei entsteht, wovon Türmer so lange geträumt hat: Der Roman seines Lebens, in dessen Facetten sich die Zeitgeschichte bricht. So wird die widersprüchliche Gestalt Türmers zur Allegorie für die Fragwürdigkeit der alten, aber auch der neuen Leben.

Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, studierte Klassische Philologie in Jena und arbeitete anschließend als Dramaturg am Landestheater in Altenburg. Im Herbst 1989 verließ Ingo Schulze das Theater, um als politischer Journalist zu arbeiten. Ingo Schulze ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Seine Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet und in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

James Joyce: Ein Porträt des Künstlers als junger Mann

James Joyce: Ein Porträt des Künstlers als junger Mann

Stephen Dedalus macht sich auf die Suche nach sich selbst. Anfangs noch gefangen in einer von Konventionen und Autoritäten geprägten Internatswelt, entdeckt er nach und nach seine geistigen Fähigkeiten und seine zwiespältige Gefühlswelt. Die Beziehungen Stephens zur eigenen Sexualität, zur Religion und zu seinem Land stehen jedoch in Konkurrenz zu seiner Idee, ein Künstler zu sein. Am Ende des Romans beschließt er, der geistigen Enge seiner Heimat zu entfliehen und sein radikales Verständnis von Kunst draußen in der Welt umzusetzen. Thematisch steckt in diesem aufsehenerregenden Roman schon ein Großteil dessen, wofür James Joyce steht: Kunst, Sex, Religion, Rebellion und all die damit einhergehenden Verwicklungen. Auch stilistisch wendet Joyce erstmals jene avantgardistischen Techniken an, die für sein Hauptwerk "Ulysses" prägend werden sollten.

James Joyce, 1882 in Dublin geboren, wuchs in ärmlichen Familienverhältnissen auf, studierte aber dennoch am University College von Dublin. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs siedelte er, nach Zürich über, wo auch sein Hauptwerk "Ulysses" entstand. Von 1920 bis zur Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg lebte er in Paris. Dort entstand sein letzter Roman "Finnegan's Wake". James Joyce starb 1941 in Zürich.

Kerstin Ekman: Schwindlerinnen

Kerstin Ekman: Schwindlerinnen

Lillemor Troj, die gefeierte 80-jährige Schriftstellerin, und Babba, die jahrzehntelange Freundin,  waren vor Jahrzehnten einen faustischen Pakt eingegangen: Um sich der Schriftstellerei widmen zu können, brauchte Babba Abgeschiedenheit und Anonymität – und eine Frau, die ihre Bücher mit einem hübschen Gesicht und Charme erfolgreich vermarkten konnte. Lillemor war die Frau für die Preisverleihungen und Autogrammstunden, für die Fotos, für die Buchmessewelt. Jetzt hat Babba die ungeschminkte, boshafte Wahrheit über die vermeintlich große Krimiautorin Lillemor Troj geschrieben. Es ist die Geschichte der beiden Frauen, ihrer Schwächen und Verletzungen – und natürlich ist es die Chronik ihres großen Betrugs. Kerstin Ekman nimmt sich selbst und die vornehme Welt der Literatur aufs Korn. Denn eine der perfidesten Methoden, sich eines Menschen zu entledigen, ist das Über-ihn-Schreiben.

Kerstin Ekman, geboren 1933, gilt als die wichtigste skandinavische Gegenwartsautorin. Ihr umfangreiches literarisches Werk ist preisgekrönt, wurde vielfach verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Hermann Hesse: Der Steppenwolf

Hermann Hesse: Der Steppenwolf

Hesse erzählt die Geschichte von Harry Haller, der an der Zerrissenheit seiner Persönlichkeit leidet: Seine menschliche, bürgerlich-angepasste Seite und seine steppenwölfische, einsame, sozial- und kulturkritische Seite bekämpfen sich und blockieren seine künstlerische Entwicklung. Hesses Roman, der auch Ausdruck einer eigenen tiefen seelischen Krise war, ist Gesellschaftskritik und Persönlichkeitsanalyse gleichermaßen. In den bewegten sechziger Jahren wurde das Werk zum Kultbuch einer Generation, deren Vertreter in Harry Haller einen Seelenverwandten erkannten. Bis heute gehört "Der Steppenwolf" zu den meistgelesenen Romanen unserer Zeit.

Hermann Hesse, geboren 1877 in Calw als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb 1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.