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Die Kriegsromane

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Details

ISBN
978-3-86497-231-7

Beschreibung

Die Kriegsromane der Süddeutsche Zeitung eBibliothek

Es sind keine Kriegsromane, eher Anti-Kriegsromane, die Werke von so unterschiedlichen Autoren wie Jaroslav Hašek, Gert Ledig oder Yoram Kaniuk – gemeinsam ist ihnen, dass sie konsequent die Absurdität von Krieg erfahrbar machen. Das funktioniert, weil es ihnen gelingt, die Empathie ihrer Leser für die Protagonisten zu wecken.

Leseprobe SZ eBibliothek - Die Kriegsromane epub

Leseprobe SZ eBibliothek - Die Kriegsromane mobi

 

 

 

 

 

 

Was gewinnt, wer sein Leben rettet?

Fünf große Kriegsromane der Weltliteratur

Der Obergefreite ist in die Salve eines Raketengeschützes geraten. Zerfetzt hängt seine Leiche "an einem kahlen Gestell, das früher einmal ein Baum war". So beginnt Gerd Ledigs "Die Stalinorgel". Der Tod des Obergefreiten ist nicht, was einmal als "Heldentod" galt, jede Ähnlichkeit mit dem "Sterbenden Gallier" ist ausgeschlossen. Die großen Werke über den Krieg sind Desillusionsapparate; die "Stalinorgel" ist einer der stärksten. Was Krieg bedeutet, zeigt der Roman physisch, in einer "harten", wie es in den fünfziger Jahren hieß, dabei kalkulierten Sprache. Die Hierarchie ist korrupt, je höher der Rang, desto schäbiger das Verhalten. Aber selbst in dieser Welt gibt es gelegentlich etwas wie Anstand, Vorgesetzte, die ihr Männer nicht allein lassen mögen. Sie bessern deren Lage nicht und verschlechtern die eigene, aber sie fühlen sich ihnen zugehörig, sie wollen nicht klug sein.
Man kann ein solches Selbstopfer sinnlos nennen. Aber wer Dževad Karahasan "Sara und Serafina" gelesen hat, wird vorsichtiger urteilen. Sarajewo ist belagert, Scharfschützen suchen sich einzelne Passanten heraus. Sara, auf den Namen Serafina getauft, will ihre Tocher aus der Stadt bringen. Dafür braucht es Papiere. Die Sache scheint auf gutem Wege, dann stockt sie: Der Geliebte der Tochter wird festegehalten. Soll die Tochter sich allein in Sicherheit bringen? Sara war 1942 bereit, ihre jüdische Freundin auf dem Weg in die Lagerwelt zu begleiten. Im letzten Moment erklärte die ältere Schwester das Missverständnis und holte sie vom Lastwagen herunter. Das Leben gerettet, war es "das bessere Teil"? Sara schaut auf Serafina, die sie auch ist, aber nie sein wollte: "praktisch, nützlich, realitätstauglich". Deswegen will sie selbst die Chance, Sarajewo zu verlassen, nicht nutzen.
Eine einzigartige Rolle unter den Kriegsromanen spielt Jaroslav Hašeks "Schwejk" schon deshalb, weil es darin weniger um den Krieg geht als ums Militär. Hašek starb früh und konnte den Roman nicht abschließen, so lesen wir nur vom Leben in der Etappe. Nicht die Schlacht mit Angst, Verwundung, Schmerz und Tod bestimmt die Handlung, sondern der tägliche Unfug der Vorgesetzten  und militärischen Behörden. Die Offiziere werden eingeteilt in die Kategorien "Greis", "vertrottelter Greis" und "Furzer" mit der Steigerung "Halbfurzer". Und doch gibt es unter ihnen gewitzte Männer; anders als oft behauptet, folgt Hašeks Roman nicht der einen großen Opposition oben - unten.
Bulgakows "Die weiße Garde" spielt in Kiew während des russischen Bürgerkriegs. Die Weißen kämpfen gegen die Roten, aber nicht mit viel Überzeugung. "Stabsgesindel. Ich kann die Bolschewiken gut verstehen" sind die letzten Worte eines weißen Kommandeurs, dessen Stellung von den Roten überrannt worden ist. Bulgakows Größe aber zeigt sich nicht allein in der Ausfaltung der historischen Hintergründe. Unvergesslich bleiben die Beschreibungen körperlicher Zustände, die Schmerzen einer Schussverletzung, der Fieberwahn des Typhuskranken.
Ein Kriegsroman muss den Krieg nicht explizit politisch behandeln, Ledig oder Karahasan tun es nicht. Wohl aber Bulgakow und Yoram Kaniuk. Dessen Roman "1948" beruht auf eigenen Erfahrungen. Als Achtzehnjähriger hat er an den Kämpfen dieses Jahres teilgenommen, es ist der Unabhängigkeitskrieg des Staates Israel. An dessen Existenzrecht besteht kein Zweifel, aber Kaniuk beschreibt auch die Opfer in der arabischen Bevölkerung, die Vertreibungen durch die israelischen Stoßtrupps, denen auch er angehörte, und denen Neusiedler folgten, Überlebende aus Europa. "Keinen Gedanken an Recht und Gerechtigkeit" verloren sie. Und auch die Soldaten müssen erkennen, dass sie ihre moralischen Instinkte verloren haben: "Jeder Soldat, der kämpft, liebt das Schießen und Töten."

Stephan Speicher

Gerd Ledig: Die Stalinorgel

Gert Ledig: Die Stalinorgel

"Die Stalinorgel" schildert den verlustreichen Kampf um eine Anhöhe bei Leningrad – aus deutscher und aus russischer Sicht – mit einem Sarkasmus, der nie "dröhnt", nie zum Selbstzweck wird, stets der Aufgabe untergeordnet bleibt, das grauenhafte Geschehen und die Verzweiflung der Kämpfenden zu konturieren, greifbar zu machen. Ledigs Stil, die kühlen, kurzen Hauptsätze verdichten sich zur Apokalypse des Krieges schlechthin. Ledig kannte das Inferno um Leningrad aus eigener Erfahrung. Verwundet schickte man ihn 1942 zurück in die Heimat, wo er bald darauf den Schrecken des Luftkriegs begegnete.

Gert Ledig, 1921 in Leipzig geboren, wuchs in Wien auf und meldete sich mit 18 Jahren freiwillig zur Wehrmacht. Vor Leningrad wurde er 1942 mehrfach verwundet und kehrte von der Front nach Süddeutschland zurück. Als der Roman "Die Stalinorgel" 1955 erstmals erschien, wurde er zu einem großen internationalen Erfolg. Heute ist er ein Unbekannter, neu zu entdecken, und mit ihm sein vergessenes Werk. Ledig starb 1999 in Landsberg am Lech.

Michail Bulgakow: Die weiße Garde

Michail Bulgakow: Die weiße Garde

Dezember 1918: In Russland herrscht Bürgerkrieg. Die deutschen Truppen haben weite Teile der Ukraine besetzt. Kiew wird zum Sammelbecken für die "Weißen": Bankiers, Adlige, Halbweltdamen auf der Flucht vor der "roten Gefahr". Mittels einzelner Episoden entfaltet Bulgakow ein großes Panorama der Jahre 1918/1919, des Zusammenbruchs des zaristischen Russland und vor allem der unterschiedlichen politischen Strömungen, ihrer Sprecher und Bewegungen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in der Ukraine entwickelt der Roman seine politische Brisanz.

Michail Bulgakow wurde 1891 in Kiew geboren und starb 1940 in Moskau. Nach einem Medizinstudium arbeitete er zunächst als Landarzt und zog dann nach Moskau, um sich ganz der Literatur zu widmen. Er gilt als einer der größten russischen Satiriker und hatte zeitlebens unter der stalinistischen Zensur zu leiden. Seine zahlreichen Dramen durften nicht aufgeführt werden, seine bedeutendsten Prosawerke konnten erst nach seinem Tod veröffentlicht werden.

Dževad Karahasan: Sara und Serafina

Dževad Karahasan: Sara und Serafina

Ein junges Paar soll mithilfe gefälschter Taufdokumente aus dem belagerten Sarajevo herausgebracht werden. Die Aktion scheitert. Knapp 20 Minuten liegen zwischen Anfang und Ende des Romans, doch die wie in einer Zeitspirale erzählte Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1942, als Serafina, die sich Sara nannte, beinahe mit ihrer jüdischen Freundin nach Auschwitz abtransportiert worden wäre. Die Parallelen zum Sarajevo 1942, die Karahasan immer wieder zieht, sind nicht zufällig, zeigen sie doch, wie sich die Mechanismen und Absurditäten ähneln. Karahasan entwirft ein menschlich berührendes, dichtes Bild der Psyche der vom Krieg Gezeichneten, die jeden Augenblick damit rechnen müssen, von einer verirrten Granate oder dem Schuss eines Heckenschützen getötet zu werden.

Dževad Karahasan, 1953 in Duvno im ehemaligen Jugoslawien geboren, ist Erzähler, Dramatiker und Essayist. 1993 floh er aus der umkämpften Stadt Sarajevo, die in Teilen seines Werkes eine zentrale Rolle spielt. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2003 mit dem Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Karahasan lebt in Graz und Sarajevo.

Yoram Kaniuk: 1948

Yoram Kaniuk: 1948

"Wir waren wie Kinder, geradezu unverschämt jung. Einfaltspinsel waren wir, Partisanen." Kaniuk hat die Geschichte eines jungen Mannes aufgeschrieben, der voller Heldenmut die Schule verlässt und sich der jüdischen Untergrundorganisation Palmach anschließt. Erst als alter Mann, nach einer schweren Krankheit, die ihn in Todesnähe brachte, hatte Kaniuk sich entschlossen, die Erinnerungen an diese Zeit aufzuschreiben: Darin verleiht er dem Yoram von damals die Stimme und die Gedanken des Kaniuk von heute und erzählt in beklemmenden Bildern und schockierenden Momentaufnahmen von dem Kampf, der zur Entstehung des Staates Israel führte. In einem schmerzlichen Prozess muss Yoram im Mut die Sinnlosigkeit erkennen, die historische Schuld bei allem Recht und die Naivität in seinem Heroismus.

Yoram Kaniuk, 1930 in Tel Aviv geboren, verkörpert zionistische und israelische Geschichte. Er wurde im Unabhängigkeitskrieg verwundet, zog sich für zehn Jahre nach New York zurück und kehrte 1961 nach Israel zurück. Er veröffentlichte 17 Romane, Kurzgeschichten und vier Kinderbücher. Für seine Bücher erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt den renommierten Sapir-Preis für "1948". Sein Roman "Adam Hundesohn" wurde in 20 Sprachen übersetzt und 2008 verfilmt. Yoram Kaniuk starb am 2013 in Tel Aviv.

Jaroslav Hašek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk

Jaroslav Hašek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk

Jaroslav Hašeks unvollendet gebliebener satirischer Roman um die Erlebnisse des Prager Hundehändlers Josef Schwejk im Ersten Weltkrieg gehört zu den unvergänglichen und zugleich amüsantesten Werken der Weltliteratur. Schwejk, der unter dem Deckmantel der geistigen Zurückgebliebenheit den ganzen Dienstbetrieb durcheinanderbringt und damit die Sinnlosigkeit des Krieges vorführt, wurde zum Sinnbild des Widerstandes gegen jede Obrigkeit. Mit seiner schonungslosen Aufdeckung von Behördenwillkür, Selbstüberheblichkeit der Militärs, Obrigkeitshörigkeit und Dummheit ist dieser große Roman auch 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges immer noch erschreckend zeitgemäß.

Jaroslav Hašek, 1883 in Prag geboren, der Schöpfer des "Braven Soldaten Schwejk", war wie sein weltberühmter Held ein Prager Original. Er durchwanderte von 1903 bis 1907 ganz Mitteleuropa. 1915, an der Ostfront, desertierte er und wurde des Hochverrats angeklagt. Viermal glaubte man, er sei tot. Hašek starb 1923 in Lipnice, wo er sich in der Bierstube "Zur tschechischen Krone" zu Tode trank.