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Soulmates

10 Hardcover im Geschenkschuber

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Einband
10 Hardcover im Schuber
Seitenzahl
2.964
ISBN
978-3-86497-486-1

SOULMATES - Ein Mann braucht mehr als 1000 Worte!

Großartige Geschichten großer Autoren: von Androiden, Packeis und Alkohol – von Beziehungen, Wildheit und Lebensfreude. Diese zehn Romane sind eine starke Sammlung für Männer und alle, die ihnen damit eine echte Freude machen wollen.

von  Bernd Graff, SZ-Feuilleton

Androiden, Milliardäre, Boxer, Senatorensöhne, Bergmänner, Armenärzte, Polar­forscher – das sind die Protagonisten einer neuen SZ-Edition mit zehn Romanen der Weltliteratur im Schuber. Cormac McCarthys „Die Straße“ ist dabei, Dashiell Hammetts „Der gläserne Schlüssel“, Nikos Kazantzakis’ „Alexis Sorbas“, Jack Londons „König Alkohol“, Louis Ferdinand Célines „Reise ans Ende der Nacht“, Norman Mailers „Der Kampf“, Joe Brainards „Ich erinnere mich“ und Robert Falcon Scotts „Letzte Fahrt: Kapitän Scotts Tagebuch – Tragödie am Südpol“.

10 Hardcover im Geschenkschuber | 10 große Romane: Ihre Soulmates.

1 Blade Runner / 2 Der große Gatsby

Literarische Seelenverwandte, denen man gerne wiederbegegnet oder die man immer schon mal kennenlernen wollte. Wie klingt etwa die berühmte große Frage – Was ist der Mensch? –, wenn sie von einem Androiden gestellt wird? Philip K. Dick hat in seinem Roman „Blade Runner“ – den Ridley Scott in den 1982 verfilmte – unsere existenziellen Zweifel noch potenziert. Ist der Mensch für intelligentes Leben also eigentlich überflüssig? Und: Hat er schon bemerkt, dass dieses Konzept ihn vielleicht gar nicht benötigt, ihn womöglich längst verabschiedet hat? Wer „Blade Runner“ nur aus dem Kino kennt, darf sich bei der Lektüre des Romans aus dem Jahr 1968 über ein paar raffinierte Twists in der Handlung und bei der philosophischen Reflexion freuen. Und er darf sich wundern, dass Empathie in dieser dystopischen Welt eine ganz andere Bedeutung hat, als man es erwartet.

Überhaupt Empathie. Sie spielt auch in den „Roaring Twenties“ des „Großen Gatsby“ eine zentrale Rolle, wenn auch auf ganz andere Weise. F. Scott Fitzgerald lässt eine verführerische Nachkriegswelt lebendig werden, selbstbesoffen und voller Zweifel, geprägt von Ungleichheit und eitler Glücksjagd. Gleich zu Anfang steht die große Lehre für alle Privilegierten: „So oft du Lust hast, jemanden zu kritisieren, erinnere dich, dass kein Mensch auf der Welt ähnliche Chancen gehabt hat, wie du.“ Und doch wird es am Ende heißen: „So schlagen wir uns durch, wie die Schiffe gegen den Strom, wobei wir unablässig in die Vergangenheit zurückgeworfen werden.“

3 Die Straße / 4 Der gläserne  Schlüssel

Es handelt sich also um Literatur von Männern, die zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten und unter ganz unterschiedlichen Bedingungen wenn nicht an sehr düsteren, dann doch an gebrochenen Männerbildern gearbeitet haben. „Soulmates“ ist eine Reihe, in der man nachlesen kann, wie Männer verschiedener Jahrzehnte über Männer geschrieben haben.

An dieser Stelle machen wir auf jeweils zwei der Heldentypen aus der Serie aufmerksam. Etwa auf die Figur des „Vaters“ in McCarthys „Die Straße“. Diese 2007 mit dem Pulitzer Preis für Romane ausgezeichnete Dystopie zeigt einen Mann, der in einer verwüsteten Welt mit seinem Kind unterwegs ist, das Ziel ist die Küste. Doch was heißt das schon? Der Mann sorgt sich um seinen Sohn, will für ihn eine bessere Zukunft, die nicht von Mangel, Hunger, Kälte bestimmt ist, sondern von Freiheit. Hoffnung also ist McCarthys Thema, eine nur schwer gegen die bittere Realität aufrecht zu haltende Illusion.

Aber ist sie das nicht immer? Man muss die Postapokalypse der „Straße“ als eine Versuchsanordnung sehen: Was sind Zivilisation und Menschlichkeit wert, wenn die Welt aus den Fugen geraten, der dünne Mantel der Kultur zerschlissen ist? Wie sicher oder wie fragil ist der Weg zwischen Sorge und Selbstaufgabe, zwischen Anstand und Verachtung? Das wohl ist die Straße, die McCarthys Roman beschreitet.

Dashiell Hammetts „Gläserner Schlüssel“ zeigt eine von Männern dominierte Welt, und um diese Welt steht es nicht gut. Um falsche Freunde, Egoismen und Geltungssucht, korrupte Politiker und kalkulierte Loyalitäten geht es in dem Roman, der Hammetts Noir um eine bittere Note Düsternis bereichert.

Ein Glücksspieler gerät in heimliche Machenschaften, ein bestens organisiertes, bestens geschmiertes Komplott um Macht und Liebe. Ein Mensch kommt ums Leben, doch die Hinterbliebenen trauern nicht. Sie sorgen sich mehr darum, dass ihre schmutzigen Geschäfte und dunklen Interessen durch diesen Tod nicht behelligt werden. Orson Welles hat 1939 aus diesem Roman des Jahres 1930 ein Hörspiel gemacht, es gibt zwei ältere Film-Adaptionen und eine neuere der Coen-Brüder: „Miller’s Crossing“, der im Jahr 1990 in die Kinos kam.

In Schweden hat man 1992 einen Krimi-Preis nach diesem Roman benannt. Kurzum, „The Glass Key“, wie der Roman im Original heißt, ist das Schlüsselwerk der Krimiliteratur.

5 Alexis Sorbas / 6 König Alkohol

Um das Leben geht es in diesem weltberühmten Roman, um die Liebe und um das Sterben. Aber ist das nicht immer so, wenn es um Menschen geht? „Alexis Sorbas“ von Nikos Kazantzakis, entstanden 1946 und von Michael Cacoyannis 1964 unnachahmlich mit Antony Quinn, dem griechischsten aller Mexiko-Amerikaner, verfilmt, spielt diese drei großen Menschheitsthemen so elegant durch, als ob er nur ein leichtes Märchen erzähle, von Narren mit hochfliegenden Plänen, Sehnsüchten und der ruhenden Gelassenheit im Angesicht unausweichlicher Niederlagen. Kazantzakis erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen Figuren, die, so unterschiedlich sie auf Anhieb auch scheinen mögen, doch nur gemeinsam gedacht werden können: Zusammen sind sie eins, der junge, gelangweilte, aber auch von Skrupeln geplagte Intellektuelle, der eine Kohlemine auf Kreta betreiben will und zu seinem Glück auf den anderen trifft, den Lebenskünstler Sorbas, der etwas Besseres als den Tod überall finden kann. Nicht der Homo Faber, die planvoll rational tätige Figur des Minenbetreibers, ist frei, so lautet hier die Botschaft, sondern der, der das Beste aus seinem alles in allem unwägbaren Leben macht. Demgegenüber gestellt sind die piefige Moral, der Zwang, der Aberglaube, der mangelnde Respekt vor jedem anderen, der doch auch nur sein Schicksal zu ertragen hat. Man kann in „Alexis Sorbas“ Spuren von Camus’ Existenzialismus entdecken, man kann aber, nein, muss darin vor allem das Märchen lieben.

Von ganz anderen Märchen berichtet Jack London in seinem nun auch schon über hundert Jahre alten Roman „König Alkohol“, der im Original „John Barleycorn“ heißt. Barleycorn, diese Figur des heiligen Trinkers, verkörpert beides, den Irrwitz eines beseelten Scheiterns wie die Erleuchtung eines inspirierten Draufgängers, der die Regeln und Beschränkungen des irdischen Lebens überwunden zu haben meint. Für London liegt denn auch mehr als Wahrheit im Alkohol, Barleycorn regiert und macht sein Leben. Doch Barleycorn ist der König der Ambivalenz, er ist klug und bescheuert, man liebt und hasst ihn zugleich, er macht das Leben arm wie reich. Nichts macht Londons Haltung zu diesem trügerischen Regenten in seinem autobiografischen Roman deutlicher als die Episode zur Abstimmung über das Frauenwahlrecht in Kalifornien. Der Betrunkene ist „dafür“, weil Frauen ein Alkoholverbot durchsetzen werden. „‚Die Frauen, Schwestern und Mütter, nur sie sind es, die die Nägel in den Sarg König Alkohols schlagen werden. Nie bin ich weniger sein Freund, als wenn wir beisammensitzen und anscheinend die besten Freunde sind. Er ist der König der Lügner. Keiner sagt die Wahrheit so offen wie er. Er schenkt klare Gesichte und trübe Träume. Er ist der Feind des Lebens und der Lehrer der Weisheit jenseits der Weisheit des Lebens.‘ So redete ich weiter. Wie gesagt, ich befand mich in etwas gehobener Stimmung.“

7 Reise ans Ende der Nacht / 8 Der Kampf

Ein toller Roman von einem diskreditierten Autor, wie kann das sein? Louis ­Ferdinand Céline war Antisemit und intellektueller Kollaborateur, der Franzose hatte sich im von den Nazis okkupierten Frankreich mit einschlägigen Pamphleten bei den Besatzern eingeschleimt. Kein Wunder, dass man dem Autor Céline misstraut und sein Werk nur mit spitzen Fingern anfasst. Er war Arzt, der nach langen Jahren der Reisens als Armendoktor in Frankreich arbeitete. In seiner Jugend hatte er das Grauen des Ersten Weltkriegs erlebt und war danach im Auftrag des Völker­bundes durch Afrika und Amerika unterwegs gewesen.

Sein stark autobiografischer Roman „Reise ans Ende der Nacht“ erzählt denn auch eine ähnliche Geschichte: Ferdinand Bardamu, ein Medizin­student, meldet sich 1914 als Freiwilliger zum Krieg. Doch da ist nichts Heroisches, der Kampf wird als sinnlose Apokalypse erlebt. Danach geht er in ein vom Kolonialismus geschändetes Afrika, wird todkrank auf eine Galeere Richtung Amerika verschachert. Überall begegnen ihm Armut und Elend, Verachtung und Verbrechen. Célines geschilderte Welt ist höllisch real. Einzig seine Sprache kann die Abgründe übersteigen, eine Sprache, die viel von Freuds Psychoanalyse weiß und den Sound von Jazz verinnerlicht hat. Niemand anderer als Trotzki hat den Roman nach seinem Erscheinen 1932 rezensiert.

Norman Mailer, Mitbegründer der „Village Voice“ und preisverwöhnter Literat, hat nicht Fiktion aus dem Leben heraus geschaffen, sondern das Leben fiktionalisiert - bei ihm ist Reportage Literatur und Literatur Reportage. Mailer nutzt aber keine aufhübschenden Lügen, um seine kreative Non-Fiktion unwiderstehlich zu machen, er vertraut der Musikalität seiner Sprache und der Virtuosität der Bilder, die seinen Wahrheitsschilderungen eine intensive Wahrhaftigkeit verleihen. „New Journalism“ ist das genannt worden, kein Stil, eine Haltung ist das, die gar nicht vorgibt, das Erlebte nicht zu interpretieren.

Man darf diese Souveränität - trotz Fake News, Intransparenz und „Lügenpresse“-Vorwürfen - heute vermissen. Denn bei Mailer klingt „Der Kampf“ zwischen George Foreman und seinem Herausforderer Muhammad Ali, der Boxkampf, der 1974 in Kinshasa ausgetragen wurde und den Ali überraschend gewann, er klingt bei Mailer so: „Was nun kam, erinnerte an die Feuerwalzen der Artillerieschlachten des Ersten Weltkriegs. Foreman ließ Salven von vier, sechs, acht und neun Schlägen los, schwere, blindwütige, harte Schläge, schwer wie das Dröhnen von Eichentüren, Bomben auf den Körper, Donnerkeile an den Kopf, Prügel, bis er keine Luft mehr bekam, Zurückweichen, um wieder zu Atem zu kommen, und wieder Sturmangriff, wieder die Bomben, wieder die Explosionen, und mit voller Wucht, mit vollem Dampf auf den Körper da vor ihm, nimm ihn auseinander, feg ihn von den Beinen – allmächtiger Erdbeweger, Du, muss er in sich hineingekeucht haben, leg diesen irr­-

witzigen, hüpfenden Ziegenbock um!“

9 Ich erinnere mich / 10 Letzte Fahrt

Joe Brainard hat die bildende Kunst ebenso beeinflusst wie die Literatur. Er verkehrte im Umfeld der „New York School“ der frühen Sechzigerjahre, des Beginns der Pop-Art. Seine Assemblagen, Collagen, Zeichnungen und Gemälde, seine Illustrationen und Buchcover, Bühnenbilder und Entwürfe für Theaterkostüme lassen sich keiner Richtung zuordnen. Das gilt ebenso für seinen literarischen Stil, besonders für „Ich erinnere mich“, von dem Paul Auster sagt, dass es eines „dieser seltenen Bücher ist, die einen ein Leben lang bereichern.“

Brainard wirft darin eine Erinnerungsmaschine an, die fast 1 500 kleine Bruchstücke aus Kindheit und Kunst, zu Familie, Essen, Kleidung, Sexualität, Schule, Körper, Geschichte und Politik hochwirft und verwirbelt, nur um sie mit dem nächsten Satz und immer derselben Einleitung: „Ich erinnere mich...“ wieder einzufangen. Auf „Ich erinnere mich an das einzige Mal, dass ich meine Mutter weinen sah. Ich aß einen Aprikosenkuchen“ folgt fast unmittelbar: „Ich erinnere mich, wie gut ein Glas Wasser nach einer Portion Eis schmecken kann.“ Glasklar sind diese Fragmente – „Ich erinnere mich, dass das Leben damals schon so schwer war wie heute“ – doch nirgends macht die Erinnerung Halt, würdigt sie eine Besonderheit oder Bedeutung. Und doch ist es unmöglich, sich ihrem Sog zu entziehen.

Die „Terra-Nova-Expedition“ ist Gegenstand der Tagebucheinträge von „Letzte Fahrt“. Sie war die zweite Antarktis-Expedition des Briten Robert Falcon Scott, und sie stand unter keinem guten Stern. Widrige Umstände gab es, sicher. Aber auch mangelnde Vorbereitung, Überheblichkeit und einen krankhaften Ehrgeiz, der selbst grobe Fahrlässigkeiten in Kauf nahm, um im Wettlauf um die Eroberung des Südpols der Erste zu sein. Doch was heißt hier Eroberung? Mit seinem ehemaligen Gefolgsmann Ernest Shackleton hatte Scott sich überworfen, als die „Terra Nova“, am 29. November 1910 mit der 64-köpfigen Mannschaft, 19 Ponys, 33 Hunden und drei Motorschlitten an Bord von Neuseeland aus Richtung Süden aufbrach. Kurz zuvor hatte er erfahren, dass der Norweger Roald Amundsen ebenfalls Richtung Südpol unterwegs war. Dieser würde den dramatischen Wettlauf gewinnen, Scott dabei umkommen.

„Es ist ein Jammer, aber ich glaube nicht, dass ich noch weiter schreiben kann“, lautet sein letzter Eintrag vom 29. März 1912. Erst acht Monate später wurden die Leichen von Scott und seinem Team gefunden.