0 0

Zeitlang

Erkundungen im unbekannten Bayern

Sofort lieferbar. Ab einem Bestellwert von 29,- Euro entfallen die Versandkosten in Höhe von 3,90 Euro. Die Lieferzeit beträgt 3 bis 5 Werktage
Sie haben Fragen zum Produkt? Kontaktieren Sie unseren Kundenservice!
Alle Preise inkl. MwSt.
Format
32,5 x 25,0 cm
Fotografien
Sebastian Beck
Autor/en
Sebastian Beck, Hans Kratzer
Einband
Hardcover ohne Schutzumschlag
Seitenzahl
208
Erscheinungstermin
Dezember 2018
Verlag / Label
Süddeutsche Zeitung Edition
ISBN
978-3-86497-489-2

Watzmann, München, Tegernsee: Wer an Bayern denkt, der verbindet damit meist Oberbayern und die Alpen.
Aber wer weiß, wo der Rauhe Kulm liegt? Oder Bayrisch Häusl? Und wer hat schon mal vom Woid Woife gehört? Es ist das Land abseits der großen Touristenströme und Metropolen, das Sebastian Beck als Leiter der Bayernredaktion seit Jahren mit seiner Kamera bereist. Im Laufe der Zeit formte sich daraus ein Portrait des Freistaats und seiner Menschen. Eine Liebeserklärung an die andere Heimat mit ihren grandiosen, hässlichen und skurrilen Seiten. Mit Texten von Hans Kratzer.

Gibt es ein Leben außerhalb Bayerns? Wenn ja, welches?

Zeitlang  - das ist ein wunderbares Wort, das sowohl für Sehnsucht und Heimweh, als auch für Langeweile steht. In der Gegenwartssprache ist „Zeitlang“ heillos verloren; aber jetzt ist es der Titel eines großartigen Buches über Bayern, wie es ist und wie es war. Ich möchte es Ihnen herzlich empfehlen.

Früher, als man, um in der CSU etwas zu gelten, noch das große Latinum haben musste, haben Leute wie Franz Josef Strauß und sein legendärer Adlatus Wilfried Scharnagl, Chefredakteur des Bayernkurier, gern diesen lateinischen Satz zitiert. „Extra Bavariam nulla vita, et si est vita, non est ita“. Übersetzt heißt das: „Außerhalb von Bayern gibt's kein Leben. Und wenn doch, dann kein solches.“ Der Spruch findet sich an der Straßenseite der Schlosskapelle im oberbayerischen Esting, gemalt vom Olchinger Lüftlmaler Karl Sonner.  Man kann über dieses Selbstbewußtsein schmunzeln, mit dem in früheren Zeiten, als Bayern noch ein Bauernland war, das Unterlegenheitsgefühl gegenüber „den Preußen“ überspielt wurde. Man kann aber auch, um sich das heimliche Gefühl bestätigen zu lassen, dass der Spruch stimmt, in dem großartigen Bildband blättern, den die Kollegen Sebastian Beck und Hans Kratzer aus der Bayernredaktion soeben in der Reihe „Süddeutsche Zeitung Edition“ herausgegeben haben.

„Zeitlang – Erkundungen im unbekannten Bayern“ heißt das von Beck prachtvoll fotografierte und von ihm und Kratzer feinfühlig geschriebene Buch. Man findet da nicht die bekannten Sujets, die man überall findet. Man findet den Einödbauern, die Windkraftanlagen, eine Bushaltestelle bei Eggenfelden, die Baustelle des BMW-Logistikzentrums, den Boxkampf auf dem Dort-Volksfest. Man findet grenzenlose Schönheit und grenzenlose Tristesse, Anheimelndes und Abschreckendes;  aber alles ist irgendwie traut. Das Buch hält fest, was da ist  und was verschwindet oder schon verschwunden ist: „Aberhunderte Gasthäuser sind für immer verloren, Herzkammern der Kommunikation, der Geborgenheit, des Lebens überhaupt. Wie der Tragerwirt im Rottal, der nach 400 Jahren ein jähes Ende fand.“

 

Heribert Prantl, 28.01.2019